Lebensstil
Die Individualpsychologie geht davon aus, dass die Qualität unserer sozialen Beziehungen von dem in der frühen Kindheit gebildeten «Lebensstil» des Einzelnen bestimmt wird. Der Lebensstil gründet sich auf die individuellen Erfahrungen des Kindes mit familiären Auffassungen, Werten, Regeln und Umgehensweisen sowie seiner jeweiligen Position in der Geschwisterreihe, aus denen es etwa bis zum 6. Lebensjahr seine ganz eigene Meinung über und Vorstellung von sich selbst, den anderen Menschen und der Welt ableitet.
Es sind weniger die äußeren Einflüsse und Bedingungen selbst, die für die persönliche Lebensanschauung des kleinen Kindes verantwortlich sind, als vielmehr seine eigene Bewertung dieser Einflüsse und Bedingungen und die Schlussfolgerungen, die es daraus zieht. Das Kind verfügt noch nicht über die Fähigkeit, seine Erlebnisse und entsprechenden Eindrücke zu reflektieren, geschweige denn zu analysieren.Es entwickelt seine „private Logik“ mit seinen eigenen, oft irrtümlichen und fatalen Schlussfolgerungen und bildet aufgrund seines eingeschränkten Erfahrungshorizontes starre, festgefügte Meinungen als Teil seines Lebensstils, der aber auch alle nützlichen Einstellungen und Verhaltensweisen beinhaltet.
„Der Lebensstil entsteht aus dem unbewussten Plan, den das Kind bei der Lösung bestimmter Probleme für wirksam befunden hat.“ Hat sich das Kind seine Meinungen, auch im Sinne von Fehleinschätzungen, erst einmal gebildet, neigt es dazu, danach zu handeln und zu leben und sie zu Richtlinien für das Verhältnis zu seinen Mitmenschen zu machen. „Genauso kann man feststellen, dass ein Kind, das bereits falsche Vorstellungen entwickelt hat, sich dauernd in Geschehnisse verwickelt, die seine bereits bestehende Meinung von sich selbst immer wieder bekräftigen“. [1]
Die früh erworbenen Denkmuster gehen einher mit inneren Dialogen, an sich selbst gerichtete Botschaften, die bis ins Erwachsenenalter erhalten bleiben und Auskunft geben über die Qualität unserer frühen Beziehungen. Der früh gebildete Lebensstil ist nur durch eigene Bewusstwerdung veränderbar und bildet die Ausgangsbasis für unser Verhalten.[9]

