Ermutigung
Dem Mitmenschen in seiner Individualität zu begegnen, ist nicht immer einfach, egal welchen Alters. Dazu braucht es oft Ermutigung, für jeden, für alte und junge Menschen wie auch für diejenigen in ihrer Umgebung. Ermutigung, eine Grundhaltung gegenüber anderen Menschen und sich selbst, zielt darauf, sowohl andere als auch uns selbst dabei zu unterstützen, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln, sich Herausforderungen mit Zuversicht zu stellen und so im Laufe der Zeit mehr von unserem Potenzial zu verwirklichen.
Das Prinzip Ermutigung geht zurück auf Alfred Adler (1870 – 1936), den Begründer der Individualpsychologie. Aufgrund vieler Beobachtungen bei der Behandlung von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen kam Adler zu der Überzeugung, dass hinter vielen störenden Verhaltensweisen und psychischen Problemen letztlich mangelnder Mut (= Entmutigung) steht.
Er ging davon aus, dass mangelnder Mut und die Befürchtung – oder sogar die innere Überzeugung – bestimmten Herausforderungen des Lebens nicht gewachsen zu sein, Menschen dazu veranlasst, ihren Herausforderungen und Lebensaufgaben auszuweichen und sich in ungeeignete Handlungsstrategien zu flüchten.
Nach Adlers Überzeugung würden alle diese Probleme verschwinden, wenn die Betreffenden den Mut fänden, sich ihren Lebensaufgaben zu stellen und sie zu lösen, so gut es eben geht. Heilung hiess für ihn deshalb vor allem Ermutigung: Menschen Mut zu machen, sich jenen Herausforderungen zu stellen, um die sie bislang einen Bogen gemacht haben. Der Erfolg gab ihm Recht – oft mit erstaunlich schnellen Behandlungserfolgen.
Ermutigung ist nicht in erster Linie eine Behandlungsform für geistig oder seelisch Kranke, sie ist auch eine Therapie für Gesunde, ein Programm, das ganz normale Menschen nutzen können, um sich selbst weiterzuentwickeln und auch ihre Mitmenschen dabei zu unterstützen. Sowohl im Bereich der privaten Lebensführung als auch in der psychologischen Beratung und Behandlung hat sich dieses Konzept glänzend bewährt und beträchtliche Verbreitung gefunden.

