Das psychologische Konzept menschlichen Handelns

Dieses Konzept beschreibt menschliches Handeln aus Sicht der Individualpsychologie Alfred Adlers, die den Menschen als eine ganzheitliche unverwechselbare Persönlichkeit betrachtet, deren zielgerichtetes Handeln das Ergebnis ihrer bewussten und unbewussten Entscheidungen ist.

Das ‘Denken’ ist hier als Synonym für einen kognitiven Prozess dargestellt, den Prozess der bewussten und unbewussten Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen (Input), der mehrere Begriffe in sich vereinigt wie: Denken, Meinungsbildung, Einstellung, Haltung, Anschauung, Ahnung, Glauben, Erinnern u.a.

Während bewusste Entscheidungen und Handlungen leicht nachvollziehbar sind, trifft dies auf Handlungen, die aufgrund unbewusster Entscheidungen durchgeführt werden, nicht zu.

Beispiel
Ich bin zu einem Empfang eingeladen.

  • Ich denke bewusst: Ich will diese Einladung wahrnehmen, weil mich die Menschen interessieren, die ich da antreffen kann. Ich empfinde ein Gefühl der Neugier und Freude (…interessante Menschen kennen zu lernen). Ich gehe gut gelaunt zum Empfang.
  • Mein Gefühl – das ich als erstes wahrnehme – sagt mir, dass ich nicht zu diesem Empfang gehen soll. Ich bleibe zuhause. (Hier stellt sich die Frage, welche unbewussten Gedanken dieses Gefühl des ‘Nicht-Gehen-Sollens’ in mir hervorgerufen haben.)

Psychologische Grundbedürfnisse des Menschen
Nach Alfred Adler versucht der Mensch seine im Kleinkindalter erlebte, biologische ‘Minderwertigkeit’ durch ein Streben nach Vollkommenheit auszugleichen. Er beschrieb vier Grundbedürfnisse aller Menschen, von deren Erfüllung die gesunde, psychische Entwicklung des Menschen abhängt.

  • dazuzugehören
  • besser zu werden, zu wachsen und zu lernen
  • ein Gefühl der eigenen Bedeutung zu haben, d.h. wertgeschätzt zu werden
  • ermutigt zu werden

Lebensstil
Aufgrund seiner Erfahrungen legt sich der Mensch in seiner Kindheit eine Art ‘Leitlinie’ zurecht, womit er meint sein Ziel, das sich an diesen Grundbedürfnissen orientiert, erreichen zu können. Die dadurch geschaffene und individuell geprägte ‘Bewältigungsstrategie’ zeigt sich im unverwechselbaren ‘Lebensstil’ des Menschen, ein weitgehend unbewusstes (unverstandenes) inneres Programm. Dabei hat das Mass der Erfüllung der Grundbedürfnisse einen bedeutenden Einfluss auf unseren Lebensstil.

Dazu schrieb Alfred Adler 1933:
“Jeder trägt eine ‘Meinung’ von sich und den Aufgaben des Lebens in sich, eine Lebenslinie und ein Bewegungsgesetz, das ihn festhält, ohne dass er es versteht, ohne dass er sich darüber Rechenschaft gibt.”

Der Prozess der Lebensstilbildung folgt dem psychologischen Konzept menschlichen Handelns und der damit verknüpften ‘Privaten Logik’ des Individuums.

Beispiel
Das heranwachsende Kind nimmt etwas wahr, interpretiert und schlussfolgert nach seinem eigenen Verständnis und seiner Kreativität und bildet sich seine Meinung über das, was es wahrgenommen hat. (Diese Schlussfolgerung kann aber auch irrtümlich sein, da sein Verstand noch nicht vollständig entwickelt ist.) Es handelt dann aufgrund seines Gefühls, das sich als Folge seiner Meinung ‘einstellt’. Gefühle sind unsere Antriebskraft zum Handeln. Das Ergebnis zeigt, ob damit das unbewusste Ziel erreicht wird oder nicht. Dieser Prozess wird solange wiederholt, bis sich die Meinung, das Ziel durch entsprechendes Handeln erreicht zu haben, genügend verfestigt hat und damit zum eigenen ‘Denk- und Handlungsmuster’ wird.

Nach den ersten 4-6 Lebensjahren ist dieser unbewusste Prozess der Lebensstilbildung abgeschlossen und bleibt im Unterbewusstsein bis ans Lebensende weitgehend erhalten.

Methoden der Persönlichkeitsentwicklung
Mit den Methoden der Persönlichkeitsentwicklung im Sinne der Individualpsychologie können Aspekte unseres Lebensstils erkannt, d.h. bewusst gemacht und mit persönlichem Engagement und Mut auch geändert werden.

Dazu bietet unser Institut entsprechende Beratungen und eine Reihe von Weiterbildungen zur Persönlichkeitsentwicklung an.

Leave a Comment